Mein Herantasten an Visual Facilitation

In meiner Arbeit als Agiler Coach beobachte ich immer wieder, wie schwer es uns Menschen oft fällt, den Gedanken anderer folgen und ein gemeinsames Bild einer Idee oder eines Arguments zu entwickeln. Das hat meiner Ansicht nach zum einen damit zu tun, dass wir Schwierigkeiten damit haben, dem Anderen unvoreingenommen zuzuhören und uns auf die Argumente des anderen einzulassen (vergleiche dazu meinen Blog-Artikel zu Kompetenzen für Dialog im Team).

Aber oft ist es einfach auch sehr schwierig, sich etwas vorzustellen, dass man nur auf der Tonspur hört. Vielen von uns hilft es stark, wenn Gedanken, Argumente oder Abläufe begleitend visualisiert werden. Wie kann ich diese Visualisierung bei meiner Arbeit als  Begleiter von Gruppenprozessen hilfreich einsetzen? Um meine sehr persönlichen Erfahrungen zu diesem Thema geht es in diesem Blog-Artikel.

Ich bin selbst jemand, dem Visualisierung sehr dabei hilft, einen Gedanken zu fassen, ein Argument zu verstehen, oder einen komplexen Zusammenhang zu durchdringen. Mehr intuitiv als bewusst habe ich deshalb in meiner Arbeit als Agiler Coach versucht, Visualisierung unterstützend einzusetzen. Sei es, in dem ich in einem Gespräch einen Ablauf skizziere, in Retrospektiven bildhafte Plakate vorbereite oder erarbeite, oder in einer Diskussion wichtige Argumente auf einem Flipchart oder Moderationskärtchen festhalte.

Bestärkt durch sehr positives Feedback der Leute mit denen ich arbeite, habe ich in den letzten Monaten intensiver mit Visual Facilitation (so lautet der Fachbegriff für die visuelle Begleitung von Gruppenprozessen) auseinandergesetzt.

Zunächst habe ich mir – angeregt durch einen Tipp eines befreundeten Beraters – das Buch UZMO – Denken mit dem Stift von Martin Haussmann gekauft. Darin wird die Bildsprache bikablo vorgestellt, die es auch Leuten ermöglichen soll, in die Welt der Visualisierung einzutauchen, die – so wie ich – nur beschränkt an ihr graphisches Talent glauben.

Dieses Buch hat mir sehr weitergeholfen. Ich setze mittlerweile immer wieder kleine Icons zum Unterstreichen wichtiger Aussagen ein, oder arbeite mit Containern wie Sprechblasen oder Rahmen zur Strukturierung meiner Skizzen. Allerdings habe ich auch bemerkt, dass ich auf einem gewissen Niveau stagniere. Meine Vermutung war und ist, dass ich mich noch zu wenig traue, Visualisierung wirklich live in meiner Arbeit einzusetzen, und dass ich daher auch zu wenig Zeit zur Übung und zur Gewinnung von Sicherheit einsetze (wer übt schon gerne ohne konkreten Anlass ;-).

Deshalb habe ich mich entschlossen, es mal mit einem aufbauenden Seminar zu bikablo zu versuchen. Letzte Woche war es soweit, ich bin nach Eichenzell in die hessische Pampa gefahren (Kommunikationsloten und neuland – bitte verzeiht mir die Ausdrucksweise 😉 gefahren, um am Seminar bikablo Level 1.2 teilzunehmen. Dieses Seminar ist für Leute gedacht, die sich schon ein wenig mit Visualisierung auseinandergesetzt haben, und weitere Anregungen in Richtung Visual Facilitation brauchen können, also für mich (dachte ich mir jedenfalls).

Und ja, ich wurde nicht enttäuscht: Das Seminar startete zunächst mit einem sehr praktischen, sehr intensiven Schnelldurchlauf der wesentlichen Prinzipien von bikablo (Urlaute, Bildvokabeln, Container, Überlappung, Schrift, Koloration, …). Anschließend haben wir uns in Richtung Visual Facilitation hingetastet, beispielsweise unter Verwendung von vorbereiteten Plakatlayouts für typische Situationen wie Vorstellungsrunde, Brainstorming, Darstellung von Abläufen, aber auch bildhafte Darstellungen wie eine Bergexpedition, eine Schiffsreise, oder ein Baum. Noch sehr behutsam, aber eben doch ein erster wichtiger Schritt hin zur Live-Arbeit.

Was nehme ich aus dem Seminar mit?

  • Übung hilft 🙂 Zwei Tage intensiv zu zeichnen und mit dem Stift zu denken hat mich einen großen Schritt weitergebracht.
  • Ich habe viele Ideen bekommen, wie ich im Alltag weiter üben kann; beispielsweise in dem ich Sketch Noting einsetze, um z.B. für mich ein visuelles Protokoll eines Meetings anfertige, an dem ich teilnehme; oder in dem ich gezielt Bildvokabeln und Emotionsfiguren übe. Dazu habe ich mir ein ganz hilfreiches Vokabelset von neuland besorgt.
  • Ich habe Lunte gerochen. Ich werde mich sicher noch weiter an Visual Facilitation heranarbeiten, um in meiner Arbeit mit Gruppen diese live visuell zu unterstützen.

Abschließend habe ich noch ein paar Skizzen und Visualisierungen zusammengestellt, die ich in der letzten Woche seit dem Seminar gemacht habe. Ich freue mich über Feedback dazu!

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