Facilitation – Curriculum & Buchtipp

Eine der Ausbildungen, die in den letzten Jahren bei uns selbst am meisten Weiterentwicklung ausgelöst hat, ist das Facilitator Curriculum der Kommunikationslotsen aus Köln, durch das uns mit Roswitha Vesper und Holger Scholz zwei der wohl erfahrensten und reflektiertesten Facilitatoren des deutschsprachigen Raums begleitet haben. In diesem Beitrag erzählen wir von unseren Eindrücken und geben am Ende einen Buchtipp.

Haltung und Grundannahmen

Wir haben in vier Ausbildungsmodulen viel Zeit verwendet, um uns mit der eigenen Haltung als Facilitator auseinanderzusetzen. Sehr stark finden wir beispielsweise dieses drei Grundannahmen von Facilitation:

  • Jeder tut sein Bestes – immer.
  • Menschen möchten etwas Sinnvolles tun und Verantwortung übernehmen.
  • Das Wissen liegt im System. (Oder weiterentwickelt: Das Wissen liegt in der Welt.)

Auch der Satz “Du (als Facilitator) bist dein wichtigstes Tool.” hat bei uns viel Nachdenken ausgelöst. Zusammenfassend könnte man vielleicht ein handlungsleitendes Prinzip für den Facilitator so formulieren: Haltung > Methoden Wir schätzen den Reichtum und die vielfältigen Methoden, die man als Facilitator zur Verfügung hat, und mit denen man Menschen miteinander ins Gespräch bringen kann. Und noch wichtiger ist für uns die Haltung (geworden), mit der wir solche Kommunikationsgelegenheiten gestalten. Wir haben für uns mit Hilfe dieses Curriculums ein noch viel besseres Bild dazu entwickelt, was es konkret bedeutet, was wir im Purpose Statement von Transferio – die Begeistermeister entwickelt haben: “Wir sind Gestalter und Gastgeber für die Räume, in denen wir uns als Menschen und Organisationen gemeinsam weiterentwickeln.”

Facilitator Curriculum - Arbeiten im Kreis

Partizipative Transformation einer Organisation

Auf Basis dieser Grundannahmen ist der vielversprechendste Weg, eine Organisation hin zu etwas Neuem, anderen zu transformieren, die konsequente Partizipation aller Teile der Organisation.

Roswitha und Holger haben uns teilhaben lassen an ihrer prototypischen Architektur einer solchen partizipatorischen Transformation – vieles deckt sich sehr gut mit unseren eigenen Überlegungen, wie etwa das Pilotteam als repräsentative Abbildung der Gesamtorganisation, welches in einem Safe Space Ideen zur Transformation entwickelt, Experimente auf den Weg bringt, gemeinsam innerhalb und außerhalb der Organisation lernt (das wir gerne Transformationsteam nennen).

Und wir haben einen riesigen Fundus von Denkmodellen und Anregungen erhalten, wie eine solche Transformation konkret von uns als Facilitatoren begleitet werden kann. Und worauf wir gut achten sollten, damit Partizipation nicht zu Pseudopartizipation verkommt und viel verbrannte Erde hinterlassen kann (“… ach so, das ist eh schon alles ausgemacht, und wir dürfen pro forma noch ein bisschen darüber reden …”).

Ein kleines Beispiel für diese Anregungen sei hier erwähnt: Die ARE IN Formel, um einen gesunden Mix im Transformationsteam zu gewährleisten und sicherzustellen, dass es die Gesamtheit der Betroffenen gut repräsentiert:

  • Authority – Menschen mit Macht (Entscheidungsträger)
  • Resources – Menschen, die Mittel zur Verfügung stellen können (Zeit, Budget, …)
  • Expertise – Menschen, die ein spezifisches Fachwissen (zur Sache, zur Kommunikation, zum Prozess) zur Verfügung stellen können
  • IN – Menschen, die über spezielle Informationen (Zahlen, Daten, Fakten) verfügen.
  • Need to be involved – Menschen, die einbezogen werden müssen, weil sie von den Auswirkungen der Initiative betroffen sein werden

Dialogformate für kleine und große Gruppen

Ein wesentliches Element der Ausbildung war es, eine Reihe von Dialogformaten für kleinere bis sehr große Gruppen intensiv (am eigenen Leib und Geist) kennenzulernen und selbst intensiv auszuprobieren.

Bei einigen Formaten haben wir uns gedacht: “Ah, das kennen wir eh schon, da haben wir bereits viele Erfahrungen gesammelt.” Beim World Cafe beispielsweise oder beim Kreisgespräch, oder bei Dynamic Facilitation. Um dann nach dem Modul jeweils festzustellen: “Wow, gab es da noch viel uns Verborgenes zu entdecken! Jetzt erst begreifen wir den Wesenskern dieses Formats!” Die Stimmung, die sich in einem von den Facilitatoren gut gehaltenen Kreisgespräch einstellt, werden wir nie mehr vergessen!

Andere Formate haben wir in dieser Ausbildung kennen- und lieben gelernt. Beispielsweise Appreciative Inquiry (AI, oder auf deutsch die Wertschätzende Erkundung). Wir haben entdeckt, wie kraftvoll diese Großgruppenmethode ist, die unter anderem auf narrativen Ansätzen (Verändern und Weitererzählen der Geschichten, die wir uns erzählen) und dem Fokus auf dem Positiven und Gelingenden (“Wovon hättest du gerne mehr?” basiert. Wir werden über Appreciative Inquiry in diesem Blog in naher Zukunft noch einmal ausführlicher erzählen.

Einen Raum für gemeinsames Lernen schaffen

Sehr beeindruckt haben uns die vielen kleinen Elemente, die Roswitha und Holger miteinander verwebt haben, um uns als Lehrgangsgruppe einen guten Raum für gemeinsames Lernen zu schaffen. 

Wir denken da beispielsweise an die gemeinsamen Waldspaziergänge in unseren Peer Groups, an die Filmabende mit anschließenden, sehr ergiebigen Gesprächen zur facilitativen Haltung, oder an den wunderschönen Seminarort der Grube Louise mit den liebevoll zubereiteten Mahlzeiten.

Buchtipp Facilitation

Unsere Empfehlungen

Also, ganz klar können wir das Facilitators Curriculum selbst wärmstens weiterempfehlen. Uns haben die vier Module zu je vier Tagen, verteilt über etwa ein Jahr, ganz stark geprägt, und sie haben bei uns viel Entwicklung angestoßen.

Das schöne ist: Das Wissen und die Weisheit, die Holger und Roswitha in diesem Curriculum weitergeben, haben die beiden nun auch in einem Buch aufgeschrieben, das bei Vahlen erschienen ist: Facilitation. Dialog und handlungsorientierte Organisationsentwicklung. Natürlich konkurriert das Buch nicht mit 16 gemeinsamen Tagen voller Erlebnisse und tiefgründiger Gespräche – und trotzdem gelingt es den beiden mit dem Buch, so vieles von dem, was ihnen wichtig ist, in schriftlicher Form für die Welt zur Verfügung zu stellen. Ein großer Beitrag für die facilitative Grundannahme “Das Wissen ist in der Welt.”

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