Das Leadership-Dreieck – Quellen für gelungene Führung

Während einer meiner Ausbildungen bei Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer, kam ich mit dem Konzept des Glaubenspolaritätendreiecks (GPD) und der zugehörigen Aufstellungsarbeit in Berührung. Anja Meinen hat mir sehr dabei geholfen, das Schema für mich zu erschließen – die Geschichte von den drei Projektmanagerinnen hat sie mir ursprünglich erzählt. Diese Geschichte half mir wesentlich dabei, das Schema zu verstehen und zu nutzen. Seitdem fasziniert mich das GPD durch seine Vielseitigkeit und Relevanz in unterschiedlichen Anwendungsbereichen.

Dieser Artikel widmet sich dem Leadership-Dreieck als einer Anwendung des GPD und zeigt, wie es als Wegweiser für eine ausgewogene und erfolgreiche Führungsweise dienen kann.

Das Leadership-Dreieck im Kontext des GPD

Bevor wir uns näher mit dem Leadership-Dreieck auseinandersetzen, ist es wichtig, das GPD als Grundlage zu verstehen. 

Das GPD-Schema bietet eine strukturierte Möglichkeit, den Zugang eines Individuums oder einer Gruppe von Menschen zu Werten zu verstehen. Es besteht aus drei Polen, die verschiedene Aspekte von Werten repräsentieren und einen umfassenden Rahmen für die Betrachtung von Überzeugungen und Orientierungen bieten.

  • Der Pol der Erkenntnis (E-Pol): Dieser Pol umfasst Aspekte wie Wissen, Klarheit, Vision und Logik. Hier geht es darum, eine klare Vorstellung von Zielen und Möglichkeiten zu entwickeln. Die Fähigkeit, die Welt um uns herum zu verstehen, ist entscheidend für die Entwicklung einer fundierten Perspektive und die Formulierung von langfristigen Zielen.
  • Der Pol der Ordnung (O-Pol): Dieser Pol bezieht sich auf Strukturen, Regeln, Tun, Verantwortung und Ethik. Er steht für die Notwendigkeit, klare Richtlinien und Prozesse zu etablieren, um eine effiziente Arbeitsumgebung zu schaffen. Die Einhaltung von Standards und die Übernahme von Verantwortung sind grundlegende Prinzipien, die es ermöglichen, Ziele zu erreichen und ethisch korrekt zu “hand”-eln.
  • Der Pol des Miteinanders (ursprünglich Liebe) (L-Pol): Dieser Pol betont den Wert von Vertrauen, Wertschätzung, Mitgefühl und Ästhetik. Er beinhaltet die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Schaffung einer unterstützenden und inspirierenden Arbeitsumgebung. Ein respektvoller Umgang miteinander, die Förderung von Teamarbeit und die Wertschätzung der Vielfalt sind wesentliche Elemente des L-Pols.

Der Kern des GPD-Modells liegt in der Notwendigkeit eines Ausgleichs zwischen den drei Polen, um einen umfassenden und ausgewogenen Ansatz für die Werthaltung zu gewährleisten. Wenn ein Pol vernachlässigt wird, kann dies zu einer Verzerrung oder Einschränkung der Perspektive führen, was sich negativ auf die Entscheidungsfindung und die Leistungsfähigkeit eines Systems auswirken kann.

Die drei Pole des GPD sind nicht isoliert zu betrachten, sondern bilden vielmehr eine dynamische Wortwolke, die je nach Kontext und Kulturkreis angepasst werden kann. Sie sind nicht hierarchisch geordnet, sondern gleichrangig und enthalten jeweils auch die anderen beiden Pole. Dies ermöglicht es, verschiedene Perspektiven einzunehmen und einen umfassenden Zugang zu den Werten zu gewährleisten.

In der Mitte des GPD liegt eine besondere Ressource – die Weisheit. Diese ist gleichzeitig in der Mitte und überall präsent und steht für die Fähigkeit, tiefe Einsichten zu gewinnen und situationsgerecht zu handeln. Weisheit ist schwer fassbar, aber eng mit Humor, Dankbarkeit und Gelassenheit verbunden.

Leadership Dreieck: People & Mindset, Processes & Structures, Vision & Know-How

Das Leadership-Dreieck – Eine praktische Anwendung des GPD

Nach diesem eher philosophisch angehauchten Ausflug möchte ich eine praktische Anwendung des GPD präsentieren: Das Leadership-Dreieck.

Das Leadership-Dreieck legt den Fokus auf das Konzept der Quellen anstelle der Glaubenspolaritäten. Eine Quelle wird als eine Ressource betrachtet, die sich nicht erschöpft, wenn sie genutzt wird. Zum Beispiel nehmen Freundlichkeit und Wertschätzung nicht ab, wenn wir davon geben. Dieser Ansatz betont die Idee, dass Führung aus einer Vielzahl von Quellen gespeist werden kann.

Drei Projektleiterinnen – eine Geschichte zu den drei Quellen

Um sich die Bedeutung der Quellen zu erschließen, braucht es etwas Zeit, sich hineinzufühlen. Wortwolken und Dialoge zu den drei Polen sind hier nützlich. Als Einstieg in das Thema erzähle ich normalerweise die Geschichte von den drei Projektleiterinnen, die mir ursprünglich Anja Meinen während eines Seminares in Piran geteilt hat. Ich finde, die Geschichte transportiert die Werthaltungen der drei Pole (oder Quellen) besonders gut.

Als Teil eines Auswahlverfahrens für die Leitung eines wichtigen Projekts wurden drei erfahrene Projektleiterinnen eingeladen, um darzulegen, worauf es bei der Leitung eines Projektes ankommt. Was ist wichtig?

Valerie

Die erste Projektleiterin antwortet ohne zu Zögern: “Die Vision!”

Es ist wichtig, dass alle am Projekt beteiligten Personen das Ziel des Projektes kennen und das Ziel auch mittragen. Ich würde dafür sorgen, dass diese Zielbilder entstehen und übereinstimmend sind. Ich würde diese Vision nach innen und nach außen ständig kommunizieren und somit für eine gemeinsame Ausrichtung aller Beteiligten sorgen und Fürsprecherin für das Projekt sein. Nur wenn alle in die gleiche Richtung schauen und denken, kann das Projekt erfolgreich sein.

Und so wie das Ziel bekannt sein muss, muss auch der Weg dahin klar sein und auch beschritten werden können. Damit meine ich, dass die umsetzenden Personen das nötige Know-how besitzen müssen, um das Ziel erreichen zu können. Ist das Wissen nicht im Team, würde ich mich darum kümmern, die richtigen Leute zu finden oder es im Team aufzubauen.

Wenn diese Gegebenheiten nicht erfüllt sind, so bin ich mir sicher, wird das Projekt nicht erfolgreich sein.

Paula

Die zweite Projektleiterin antwortet ohne zu zögern: ”Schnell ins Tun kommen!”

Es ist wichtig, dass das Projekt ins Laufen kommt und sich der Weg im Tun ebnen kann.

Dafür braucht es klare und transparente Regeln und Prozesse. Jede beteiligte Person muss ihre Rolle kennen und wissen, wofür sie zuständig ist und wofür nicht. So können die Hände ineinander greifen und zusammenarbeiten. Als Projektleiterin ist es meine Aufgabe, ständig Ordnung und Klarheit im Projektumfeld zu schaffen, sei es durch Etablierung von Prozessen oder Definieren und Zuweisen von Rollen im Team.

Wenn diese Ordnung nicht da ist, so bin ich sicher, wird das Projekt im Chaos versinken und nicht erfolgreich sein.

Marion

Die dritte Projektleiterin antwortet ohne zu zögern: ”Es sind die Menschen!”

Jedes Projekt wird von Menschen getragen. Es sind die Personen und deren Geschichte und Geschichten, die ein Projekt zum Erfolg führen.

Als Projektleiterin sorge ich für eine Umgebung, in der die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sich aus einer Gruppe von Individuen ein echtes Team formt. Wenn die Leute sich einander vertrauen lernen, gegenseitig unterstützen, fordern und fördern, werden sie unüberwindbar scheinende Hindernisse selbständig bewältigen können. Die Motivation wird hoch sein und Fehlentwicklungen werden proaktiv angesprochen.

Ich sage nicht, dass wir eine Wohlfühloase brauchen! Aber es braucht ein Klima der psychologischen Sicherheit und einen produktiven Umgang mit Konflikten.

Wenn diese Sicherheit für die Menschen nicht gegeben ist, werden sie nicht gewillt sein Risiko und Leistung zu zeigen und das Projekt wird nicht erfolgreich sein.

Die drei Quellen des Leadership-Dreiecks

Basierend auf den Werten der drei Projektleiterinnen lassen sich die drei Quellen des Leadership-Dreiecks ableiten:

  • Vision und Know-how: Eine klare Vision und definierte Ziele sind entscheidend für den Erfolg eines Projektes. Sie bieten Orientierung und motivieren das Team, miteinander auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten.
  • Prozesse und Strukturen: Gut definierte Prozesse und Strukturen sind notwendig, um effizientes Arbeiten zu ermöglichen und Chaos zu vermeiden. Sie schaffen Klarheit über Zuständigkeiten und Abläufe im Team.
  • Menschen und Zusammenarbeit: Letztendlich sind es die Menschen, die ein Projekt zum Leben erwecken. Eine positive und unterstützende Arbeitsumgebung fördert die Zusammenarbeit und ermöglicht es dem Team, sein volles Potenzial auszuschöpfen.

Anwendung des Leadership-Dreiecks

Eine gelungene Führung ist das Ergebnis einer ausgewogenen Versorgung aus allen drei Quellen. Das Leadership-Dreieck dient als Instrument, um zu erkennen, ob der Zugang zu einer der Quellen möglicherweise blockiert ist und gibt Hinweise darauf, wo noch Anpassungen vorgenommen werden sollten.

In der Arbeit mit unseren Kunden regen wir durch das Leadership-Dreieck zur Reflexion an. Die Frage „Welche Verantwortlichkeiten umfasst die Dienstleistung ‚Führung‘ und welche davon ist  aktuell im Fokus?“ ermöglicht es, die verschiedenen Elemente der Führung zu identifizieren und zu analysieren, ob der Zugang zu einer der Quellen eingeschränkt ist.

Das Leadership-Dreieck ist somit nicht nur ein theoretisches Konzept, sondern ein praktisches Werkzeug, das uns in der Arbeit mit Führungskräften hilft, ihre Fähigkeiten zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Wenn Führungskräfte sich aller drei Quellen bewusst werden, eröffnen sich weitere Möglichkeiten für einen ausbalancierten Führungsstil.

Wenn du näher an den Quellen zu gelungener Leadership interessiert bist, dann schau immer wieder mal in unseren Blog (und abonniere unseren Newsletter) wir werden immer wieder praktische Tipps und Anwendungen zu den verschiedenen Polen geben.

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