Mute Clustering – Gemeinsam schnell Ordnung schaffen

Oft kommt es vor, dass man in Gruppen gemeinsam Aspekte zu einem Thema sammeln und in eine Übersicht schaffende Ordnung bringen muss. Eine Methode, die wir dafür sehr gern einsetzen, ist das Mute Clustering. In diesem Artikel beschreibe ich dieses Werkzeug.

Transferio Mute Clustering

Anwendungsfälle für Mute Clustering

Mute Clustering lässt sich beispielsweise für folgende Aufgaben sehr gut einsetzen:

  • Aufbereiten von Aspekten zu einem Thema für eine nachfolgende Diskussion in der Gruppe;
  • Sammeln von Beobachtungen im Rahmen einer agilen Retrospektive;
  • Schnell eine Meinung dazu einholen, was einer große Gruppe von Menschen zu einem Thema wichtig ist;
  • Finden von Verantwortlichkeiten und anschließendes Clustern in Rollen für einen Bereich in der Organisation.

Eigenschaften von Mute Clustering

Mute Clustering bringt insbesondere diese vorteilhaften Eigenschaften mit:

  • Skaliert mit der Gruppengröße: Mute Clustering lässt sich von wenigen Personen bis zu einigen zig Personen einsetzen.
  • Skaliert mit der Anzahl der Aspekte: Mute Clustering eignet sich für das Finden und Ordnen von ein paar Handvoll bis hin zu Hundertschaften von Aspekten.
  • Funktioniert sowohl in real live als auch online: Aus meiner Erfahrung online sogar noch ein bisschen besser, weil man sich physisch nicht im Weg stehen kann.
  • Demokratisch: Alle Meinungen bekommen Sichtbarkeit, nicht nur die lauten oder besonders eloquenten Stimmen werden gehört.
  • Zeiteffizient: Beim Gruppieren von Aspekten zu Clustern kann man sich nicht in Diskussionen verzetteln, da keine Diskussionen stattfinden.

Der Ablauf

Der Ablauf gliedert sich in folgende Phasen, die ich (jedenfalls bei Gruppen, für die die Methode neu ist) getrennt erkläre und anmoderiere. Das eigentliche Ordnen findet in der Phase Clustern von Aspekten statt – hier setzt sich die Gruppe intensiv mit dem Themengebiet auseinander.

Sammeln von Aspekten

Das Generieren und Sammeln von Aspekten kann auf verschiedene Arten erfolgen. Manchmal sind sie schon aus vorherigen Meetings gegeben und die schiere Menge überfordert die Gruppe, manchmal müssen die Aspekte zunächst erst erzeugt werden.

Ich verwende hauptsächlich zwei verschiedene Methoden zum Generieren von Aspekten: Finden in Kleingruppen oder individuelles Sammeln im Stillen (Silent Writing).

Finden in Kleingruppen

Bietet sich insbesondere an,

  • wenn die Aufgabenstellung etwas komplexer ist und die Themen geschürft werden müssen;
  • wenn die Teilnehmergruppe sehr groß ist;
  • wenn es in der Gruppe Experten gibt, oder nicht alle gleichermaßen vom Thema betroffen sind und einige Teilnehmerinnen mitgenommen werden müssen.

Läuft folgendermaßen ab:

  • Aufteilen in Kleingruppen (3er) und etwa 25 Minuten lang Themen sammeln lassen.
  • Danach die Themen kurz in der Großgruppe präsentieren (einfach vorlesen und eventuelle Fragen beantworten) und auf einer gemeinsamen Wand zusammentragen.
  • Evtl. hier gleich Dubletten aussortieren, z.B. mittels Bingo-Regel.

Sammeln im Stillen (Silent Writing)

Bietet sich insbesondere an,

  • wenn die Themen nur so sprudeln;
  • wenn individuelle Themen wichtig sind und gleichberechtigt gehört werden sollen.

Läuft folgendermaßen ab:

  • Etwa 5 Minuten schreibt jeder für sich Aspekte auf Klebezettel.
  • Danach stellt jede:r seine Aspekte kurz in der Großgruppe vor. Alle Klebezettel werden so nach und nach auf einer gemeinsamen Wand zusammentragen. Verständnisfragen können dabei geklärt werden.
  • Evtl. hier gleich Dubletten aussortieren, z.B. mittels Bingo-Regel.

Clustern von Aspekten

Nachdem die Aspekte generiert und zusammengetragen sind, steht die Gruppe vor einer oft riesigen Wand mit einer noch ungeordneten Themenwolke aus Haftnotizen (im Online-Setting das entsprechende Pendant dazu).

Normalerweise würde sich die Gruppe, wenn sie mit der Aufgabe die Aspekte zu strukturieren konfrontiert wäre, in endlose Diskussionen verfangen oder die Aufgabe würde durch die (formelle oder informelle) Hierarchie gelöst werden. Um aus diesem Muster auszubrechen, kommt es in der nun folgenden Phase zu einem kontraintuitiven Kniff als Anweisung an die Teilnehmer:innengruppe:

Sprechen verboten! Jede arbeitet für sich – es gibt keine Abstimmung untereinander.

Jede Teilnehmer:in beginnt nun die Haftnotizen in eine für sie logische Struktur zu bringen. Dabei muss sie lesen, was schon da ist und darauf aufbauen, braucht aber niemals jemand anderen um Erlaubnis zu fragen. Im Zweifel gilt: Einfach tun!

Wie ein Ameisenhaufen arbeiten jetzt alle Teilnehmer:innen gleichzeitig an der Aufgabe und bringen Ordnung in die Sache. Zettel werden gelesen, umgehängt, gruppiert, regruppiert und wieder umgehängt … alles gleichzeitig.

So entstehen mit der Zeit erste logische Ansammlungen; die einzelnen Teilnehmer:innen bauen darauf auf, was schon entstanden ist. Manche Leute greifen radikal ein, manche Teilnehmer:innen kümmern sich um die Feinheiten. Da die allmählich sichtbar werdende Ordnung wie Zauberei aus dem Nichts entsteht, nenne ich die Methode auch gerne einmal Magic Clustering.

Moderationstipps

Sätze, die ich in der Anmoderation des Mute Clustering gerne verwende, um die Essenz der Methode zu betonen:

  • Damit Mute Clustering funktioniert, ist es wirklich wichtig, dass ihr nicht sprecht – so bald ihr zu sprechen beginnt funktioniert es nicht mehr. Also von jetzt an, absolutes Schweigen.
  • Löst euch vom Gedanken, dass es eine richtige oder perfekte Anordnung gibt – die gibt es nicht – es gibt aber eine Anordnung, die für jetzt gut genug ist.
  • Manchmal wirst du dich verloren fühlen, das ist OK – gehe dann ein paar Schritte zurück und beobachte einfach, was geschieht – lass dich überraschen, wann du wieder reinfinden wirst.
  • Fragt niemals um Erlaubnis, ein Kärtchen zu verschieben – tut es einfach.
  • Lasst zwischen den Clustern eine Handbreit Abstand – es ist wichtig, dass wir die entstehenden Ansammlungen gut erkennen können.
  • Ab und zu spielen ein paar Kärtchen Ping-pong. Das macht nichts – es zeigt nur, dass ihr nicht alle der gleichen Meinung seid und das ist gut so. Das legt sich von selber, weil es ja kein richtig und falsch gibt. Irgendjemand von euch wird es gut sein lassen und die Kärtchen kommen wieder zur Ruhe.
  • Lasst euch darauf ein – es funktioniert immer.

Benennen der Cluster (optional)

Besonders bei einer Großen Zahl von gefundenen und nun geordneten Aspekten kann es sinnvoll sein, für die verschiedenen Cluster eingängige Benennungen zu finden. Manchmal entsteht jetzt eine Diskussion, diese ist hilfreich um Missverständnisse innerhalb der Gruppe auszuräumen und trägt zur weiteren Klärung des Themengebietes bei.

Geschehen kann dies beispielsweise schon gegen Ende der Phase Clustern von Aspekten, in dem man als Facilitator etwa folgende Anregung in die Gruppe gibt:

Ihr seht, dass sich nun immer klarere Cluster aus den Aspekten bilden. Wenn jemand von euch eine Idee dazu hat, wie man einen Cluster benennen könnte, schnappt sich diese Person bitte einen andersfarbigen Klebezettel, schreibt darauf gut lesbar die Benennung, und heftet den Klebezettel zum Cluster.

Alternativ kann das Benennen der Cluster auch in einem vom eigentlichen Clustern getrennten Akt geschehen. Effizienter und auch effektiver ist aus unserer Erfahrung jedoch gleich das Einflechten in das Ende der Phase Clustern.

Reflektieren in der Gruppe

Jetzt ist es Zeit, dass alle Beteiligten ein paar Schritte zurückgehen und das Ergebnis betrachten. Dabei kann gerne die Entstandene Klarheit gefeiert und kommentiert werden!

Wichtig finde ich, in dieser Phase folgende Frage zu stellen:

Findet ihr euch in dem Ergebnis wieder? Bildet das eure Sicht der Dinge ausreichend gut ab?

Wenn man vergisst diese Frage zu stellen, läuft man Gefahr mit inneren Widerständen in der Gruppe zu kämpfen. Wenn alle mit dem Zwischenergebnis einverstanden sind, ist es leichter darauf aufzubauen und damit weiterzuarbeiten.

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