Immunity to Change Map | Teil 2: Die Map selbst anwenden

Diese Blog Serie handelt von der Immunity to Change Map. Du befindest dich am Beginn des zweiten Teils. Hier geht es zum ersten Teil (Kontext & Überblick)

Die Immunity to Change Map ist in ein Werkzeug zum (Selbst-)Coaching. Es führt dich durch einen Prozess, an dessen Beginn du ein Entwicklungsziel formulierst, und an dessen Ende du bei Glaubenssätzen landen wirst, die dir dabei im Weg stehen, dich deinem Entwicklungsziel anzunähern. Und mit diesen kannst du dann arbeiten.

Im zweiten Teil dieser Blog-Serie zeige ich dir, wie du in vier Schritten eine Immunity to Change Map für dein eigenes Entwicklungsziel erstellst.

Immunity to Change Map

Die Immunity to Change Map selbst ausprobieren

Heute stelle ich dir die Immunity to Change Map ausführlich vor. Ich mache das in einer Art und Weise, dass du sie gleich live für ein eigenes Entwicklungsziel ausprobieren kannst.

Vorweg möchte ich einen Warnhinweis geben: Wenn du das Instrument ehrlich an dir anwendest, wird seine Wirkung kräftig sein und die eine oder andere manchmal nicht angenehme Überraschung für dich bereit halten. Weiter unten findest du ein paar Hinweise, wie gut mit dieser Wirkung umgehen kannst.

Wenn du die Map jetzt live ausprobieren möchtest, benötigst du:

  • ein paar Blatt Papier und einige Schreibstifte, um deine Gedanken zu notieren;

  • mindestens 60, besser 90 Minuten Zeit;

  • einen Platz, an dem du ungestört arbeiten kannst.

Bereit? Dann lass uns anfangen.

Schritt 1: Ich treffe eine Vereinbarung mit mir selbst

Im ersten Schritt formulierst du dein Entwicklungsziel. Was möchtest du zukünftig anders machen? Worin möchtest du besser werden? Folgende Leitfragen können dir helfen, mögliche Entwicklungsziele auf dein Radar zu bekommen und Ordnung in deine Gedanken zu bringen:

  • Was würde dich effektiver in einer aktuellen (beruflichen, privaten) Rolle machen?

  • Wo solltest du besser werden, um einen größeren Beitrag in deinem Umfeld leisten zu können?

  • Wähle einen Aspekt aus deinem Leben, der dir sehr wichtig ist: Welche persönliche Verbesserung würde den größten Unterschied dafür machen?

  • Gibt es ein Verbesserungsziel, das du schon verfolgt hast, aber mit den Resultaten nicht glücklich geworden bist?

Wenn du nun sogar mehrere Entwicklungsziele gesammelt hast, wähle nun eines aus, das du weiter bearbeiten möchtest. Formuliere es sprachlich so, dass sie dieser sprachlichen Schablone entspricht:

Ich vereinbare mit mir selbst, <mein Entwicklungsziel, das ich erreichen möchte.>

Zum besseren Verständnis gebe ich dir Einblick in mein Lernfeld, das ich mit der Immunity to Change Map gerade bearbeite. Meine Vereinbarung mit mir selbst habe ich so formuliert:

Ich vereinbare mit mir selbst, dabei besser zu werden, konfliktäre Situationen schneller anzusprechen (als ich & als Facilitator).

Nimm dir für diesen Schritt etwa 10 Minuten Zeit. Lies weiter, wenn du dazu bereit bist.

Schritt 2: Ich mache mir bewusst, was ich stattdessen tue (oder nicht tue)

Im zweiten Schritt machst du dir bewusst, welche Verhaltensweisen du immer wieder an dir beobachtest, die deinem Entwicklungsziel entgegenarbeiten. Das kann etwas sein, was du stattdessen tust oder auch etwas, was du nicht tust, also vermeidest.

Mir hat es bei diesem Schritt sehr geholfen, mir ganz konkrete Situationen vor mein geistiges Auge zu führen. Wie war die Situation genau? Was haben andere gemacht? Wie habe ich agiert oder reagiert?

Bei der Bearbeitung meines Entwicklungsziel habe ich beispielsweise an folgende Situation gedacht:

Ich moderiere einen Workshop, in dem jemand eine (jemand anderen) verletzende Aussage macht.

Die folgenden Hinweise können dir helfen, die Verhaltensweisen zu sammeln, die dein Entwicklungsziel zu torpedieren scheinen:

  • Was sind all die Verhaltensweisen, die gegen das Verbesserungsziel arbeiten?

  • Sei möglichst konkret in der Benennung, beziehe dich auf eine Situation, die du erinnern kannst!

  • Wenn du etwas benennst, dass sich eher wie ein Gefühl oder eine Einstellung anfühlt, frage dich: Was tue ich, das zu diesem Gefühl führt oder von diesem Gefühl ausgelöst wird?

Zu meinem oben formulierten Entwicklungsziel habe ich beispielsweise folgende Verhaltensweisen gesammelt:

Ich rede mir ein, dass es mir nicht zusteht, ein Verhalten anzusprechen, das ich als problematisch empfinde.

Ich warte lieber auf einen günstigeren Zeitpunkt, das Verhalten anzusprechen.

Nimm dir für diesen Schritt etwa 15 Minuten Zeit. Lies weiter, wenn du dazu bereit bist.

Schritt 3: Ich identifiziere konkurrierende Vereinbarungen mit mir selbst

Im dritten Schritt geht es nun darum, dass du konkurrierende Vereinbarungen mit dir selbst aufdeckst, die du irgendwann – meist unbewusst – mit dir getroffen hast, um dich vor Ängsten und Befürchtungen zu schützen. Diese sind es nämlich, die deine Torpedos abschießen, für die du in Schritt 2 Beispiele gesammelt hast.

Dieser Schritt unterteilt sich in zwei Zwischenschritte. Im ersten Zwischenschritt sammelst du die Ängste und Befürchtungen, im zweiten Zwischenschritt schmiedest du aus jeder Angst bzw. Befürchtung eine konkurrierende Vereinbarung mit dir selbst.

Das klingt seltsam oder? Probiere es einfach aus. Aus meiner Erfahrung ist Schritt 3 der Schwierigste, zugleich allerdings auch jener, der dir meist überraschende Einsichten liefert!

Schritt 3a: Ich sammle meine Ängste und Sorgen, vor denen ich mich zu schützen versuche

Stell dir nun für jede Verhaltensweise, die du in Schritt 2 gesammelt hast vor, du würdest das genaue Gegenteil davon tun. Sammle jeweils deine Antworten zu diesen Leitfragen. Ich nenne die entstehende Sammlung die Sorgenbox.

  • Welche Ängste & Befürchtungen habe ich, wenn ich mir das vorstelle?

  • Wie möchte ich von anderen und mir selbst auf keinen Fall gesehen werden?

  • Wenn das Gefühl nur ein bisschen Unsicherheit erzeugt: Was wäre für mich das Schlimmste daran? Was steckt dahinter?

Bei der Bearbeitung meines Entwicklungsziels habe ich beispielsweise diese Ängste und Befürchtungen notiert:

Ich werde als übergriffig gesehen.
Die Andere mag mich nicht mehr.
Ich kann nicht so weitermachen, wie ich das geplant hatte. Es hält mich auf.

Nimm dir für diesen Schritt etwa 15 Minuten Zeit. Lies weiter, wenn du dazu bereit bist.

Schritt 3b: Ich transformiere meine Ängste in konkurrierende Vereinbarungen mit mit selbst

Formuliere nun jede Angst bzw. Befürchtung, die du gesammelt hast, so um dass eine (mit deinem Entwicklungsziel konkurrierende) Vereinbarung mit dir selbst daraus wird, die dich für dieser Angst bzw. Befürchtung schützen soll. Verwende dazu eine dieser beiden Sprachschablonen:

Ich habe mich dazu verpflichtet, <etwas zu tun/zu vermeiden, was mich vor meiner Angst/Befürchtung schützt>.
Ich habe mit mir vereinbart, <etwas zu tun/zu vermeiden, was mich vor meiner Angst/Befürchtung schützt>.

Bei der Bearbeitung meines Entwicklungsziels habe ich beispielsweise die zu Schritt 3a angeführten Beispiele in folgende Vereinbarungen mit mir selbst transformiert:

Ich habe mich dazu verpflichtet, nicht als anmaßend & übergriffig gesehen zu werden.
Ich habe mich dazu verpflichtet, von anderen gemocht zu werden.
Ich habe mit mir vereinbart, mich beim Arbeiten nicht durch Konflikte aufhalten zu lassen.

Nimm dir für diesen Schritt etwa 10 Minuten Zeit. Lies weiter, wenn du dazu bereit bist.

Du kannst nun folgenden Test machen: Die von dir notierten konkurrierenden Vereinbarungen mit dir selbst sollten dir schlüssige Erklärungen dafür liefern, warum die von dir in Schritt 2 gesammelten Torpedos total sinnvoll sind, um dich vor deinen Ängsten bzw. Befürchtungen zu beschützen. Interessant, nicht wahr?

Schritt 4: Ich finde die dahinterliegenden Grundannahmen (Glaubenssätze)

Im vierten und letzten Schritt versuchst du nun, die Grundannahmen (auch als Glaubenssätze bezeichnet) zu finden, die hinter einen konkurrierenden Vereinbarungen mit dir selbst aus Schritt 3b stehen und diese befeuern.

Was ist nun eine Grundannahme bzw. ein Glaubenssatz? Eine Wahrheit oder eine Regel über dich und die Welt. Allerdings nur deine, ganz subjektive Wahrheit. Das Schwierige an einer Grundannahme ist der Umstand, dass sie für dich so klar und selbstverständlich ist, dass du nicht im Traum daran denen würdest, sie zu hinterfragen oder an ihr zu rütteln.

Diese drei Tipps sollen dir beim Finden deiner Grundannahmen helfen, die hinter deinen konkurrierenden Vereinbarungen mit dir selbst stehen:

  • Was sind die Grundannahmen, die ich über mich und die Welt habe?

  • Egal, wie sicher du bist, dass diese Glaubensätze zutreffen, schreibe sie auf!

  • Mache den Schnelltest: Die Grundannahmen nähren / motivieren deine versteckten Verpflichtungen!

Bei der Bearbeitung meines Entwicklungsziels bin ich beispielsweise auf folgende Glaubenssätze gestoßen:

Konflikt führt zu Beziehungsverlust.
Konflikte zu vermeiden lässt mich ungestört arbeiten.

Nimm dir für diesen Schritt etwa 10 Minuten Zeit. Lies weiter, wenn du dazu bereit bist.

Du hast nun für dein Entwicklungsziel deine Immunity to Change Map erstellt, indem du

  • dein Entwicklungsziel formuliert hast;

  • notiert hast, was du stattdessen tust oder vermeidest (deine Torpedos);

  • aufgeschrieben hast, vor welchen Ängste und Befürchtungen du dich mit deinen Torpedos zu schützen versuchst;

  • diese Ängste und Befürchtungen in konkurrierende Vereinbarungen mit dir selbst transformiert hast;

  • die hinter diesen konkurrierenden Vereinbarungen stehenden Glaubenssätze sichtbar gemacht hast.

Vielleicht fragst du dich jetzt: Was mache ich nun mit meiner Immunity to Change Map? Die Antwort erscheint einfach, ist jedoch nicht leicht: Mit deinen Glaubenssätzen kannst du nun arbeiten.

Im dritten Teil dieser Blog-Serie zeige ich dir eine Möglichkeit, wie diese Arbeit aussehen kann!

2 Kommentare

Hinterlasse Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*